Meine Krankenhaus Routine oder auch jeden Tag was Neues

Ein Paradoxon dieser Titel? Ja, grammatikalisch gesehen hat euch da euer Auge nicht getrügt, doch dies entspricht der Realität.

Denn meine Tage im Krankenhaus sind von einer täglichen Routine durchzogen, die ich auch im folgenden wie eine Art Stundenplan beschreiben werde, aber gleichzeitig hat sich meine Headnurse das Ziel gesetzt mir nicht nur jeden Tag eine neue Vokabel beizubringen sondern mir auch jeden Tag etwas kleines oder größeres im medizinischen Bereich näher zu bringen. Dies geht von verschiedensten Wundbehandlungen und kleinen Operationen, über Medikamentenverteilung, -verwaltung, -anwendung und Kontrolle, bis hin zu verschiedensten Behandlungen wie Physiotherapie, EKG, MRT, CT, unterschiedlichen Ultraschall (Herz, Niere, …), Augenarzt, kognitiven Tests und auch teilweise den etwas langweiligen Papierkram.

Aber jetzt beschreibe ich euch mal einen typischen Tag als Freiwilliger bei mir auf der Station.

Als ich einmal wieder durch die Katakomben gelaufen bin, habe ich mich über die ganzen Liegen gewundert….wie ich so bin habe ich den nächst besten gefragt warum diese denn hier stehen….

Die Antwort war: hier sind alle Operationssäle-mein verwundertes Gesicht forderte nach Erklärungen.

Die Chirurgie befindet sich im Keller, damit im Falle eine Krieges oder Bombenangriffes (was ja offensichtlich nicht auszuschließen ist) auch ungestört weiter operiert werden kann. So so viel dazu, jetzt aber weiter im Text!
Entweder:

6:30 Arbeitsbeginn auf der Station- Frühstück vorbereiten (Tabletts vorbereiten, Spezialdiäten verteilen, Kaffee und Tee machen, Büffet vorbereiten etc…)

7:15 Die ersten hungrigen Omis trudeln ein und freuen sich über ihren Kaffee, den ich ihnen nach ihren individuellen Ansprüchen gemäß ohne Aufforderung mit einem Lächeln im Gesicht hinstelle. Nachdem ich mich ein wenig mit meinen Patienten über den spannenden neuen Stations Klatsch und Tratsch unterhalten habe frage ich was es denn zum Frühstück sein darf und bringe das Tablett.

8:30 nun sind bald alle 35 Patienten im Essensraum jetzt müssen nur noch extra Kaffees und Tees verteilt werden und ich kann langsam beginnen wieder alles aufzuräumen.

9:30 das Chaos ist vollkommen beseitigt und der Essensraum kann wieder als Aufenthaltsraum genutzt werden.

oder:

7:00-7:30 gemeinsames Frühstück mit Kilian

7:30 Arbeitsbeginn

7:30-9:00 Vitalzeichen (Blutdruck, Temperatur, Sauerstoffsättigung, Puls) und ggf. Blutzucker inklusive längerer oder kürzerer Gespräche bei allen meinen 35 alten sehr geschwätzigen Herrschaften.

(Ob Variante 1 oder 2 zum Zug kommt wird mir jeweils ein Tag zuvor gesagt und hängt davon ab wo meine Hilfe gebraucht wird)

ca. 9:15-10:00 Gang zur Apotheke um Medikamente zu bestellen und abzuholen, weitere Botengänge wie Post, Blut abgeben oder Equipment besorgen.

Danach hab ich eine kleine Kaffeepause, die ich entweder mit meinen Krankenschwestern oder Janif und Schani, meinen israelischen Freiwilligen verbringe.

10:15-11.30 Dies ist meine Liebling Zeit, denn hier habe ich meine individuelle Zeit, das heißt: entweder spezielle Behandlungen oder einfach intensiver Patienten Kontakt. Hier ein paar Beispiele:

Mit Patienten wieder laufen lernen, in Alltagssituationen helfen, einfach ein bisschen Zeit mit den sehr redefreudigen Leuten verbirngen und Geschichten lauschen- ich liebe diese Zeit, denn hier habe ich intensiven Patienten Kontakt und das macht mich und die alten Leute super glücklich.

11:30- 12.00 Mittagessen vorbereiten

12:00-13:15 Mittagessen ausgeben und aufräumen

13:15-14:00 gemeinsam mit den anderen Freiwilligen Mittagspause und Mittagessen in der Mensa.

14:00-15.00 kleinere Arbeiten (Notknöpfe checken, Sachen verräumen, etc.) und nocheinmal Patienten Kontakt.

Natürlich ist jeder Arbeitstag individuell und mal mehr und mal weniger spannend, aber ich gehen jeden Tag glücklich aus der Arbeit . Das hat viele Gründe. Zum einen habe ich eine super Station, die mich und meine Fähigkeiten sehr schätzt und mir das auch zeigt. Dann habe ich noch meine Patienten, die mir unglaublich viel geben, sie bringen mich zum Lachen, sie zeigen unglaubliche Dankbarkeit und sind einfach wie ganz viele super lustige Omis und Opis. Auch ist es super schön, dass man wenn man täglich durch das Krankenhaus läuft und die Leute grüßt so eine Art Freundschaft mit verschiedensten Leuten entwickelt. Z.B mit den Securitys, den Postmännern, den Pharmazeuten etc. Man fühlt sich einfach ein wenig wie in einer großen Familie. Zu diesem tollen Gefühl der Geborgenheit kommt noch hinzu, dass ich sehr viel lerne über den Alltag im Krankenhaus und den Umgang mit Patienten und den diversen Tätigkeiten des Personals, denn das ist so viel mehr als nur die Krankenschwestern und die Ärzte. ( ihr kennt sicher das Eisbergmodell).

Ich glaube, dass mir dieses Jahr und auch die Arbeit im Krankenhaus sehr viel für meine Zukunft bringt und ich gleichzeitig auch eine große Unterstützung für die Leute hier vor Ort bin. Meiner und meiner Headnurse ihrer Ansicht nach ist das eine top win/win Situation.

Kleiner fun Fakt: ich habe aufgehört zu zählen wie oft mir am Tag! (insbesonders von meiner Headnurse) gesagt wird.: Paulina I love you!

Ahh genau dazu noch… ich glaube das wird eine ziemlich harte Umstellung für uns alle wieder in Deutschland, denn hier werden nicht nur alle Patienten geduzt , sondern auch die Ärzte und es ist üblich seinen Chef zur Begrüßung zu umarmen.

So das war jetzt mal ein Text intensiver Beitrag, aber das muss ja auch mal sein- Also Shabbat Shalom le culam!

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Author

paula@ohmle.de

Comments

Opa Wolfgang
Januar 11, 2020 at 10:17 pm

Liebe Paula,
jeder Beitrag von dir freut mich sehr. Er ist interessant und zeigt, wie vielfältig dein Aufenthalt in Israel ist und dass es für dich einfach toll ist.
Ich freue mich mit dir
Dein Opa aus Dornstadt



Pfaffhn. Oma
Januar 17, 2020 at 5:32 pm

Hallo paula.
Es ist echt toll, dass du uns deine zeit im krankenhaus mit erleben lässt.Du hast soviel freude daran. Man kann es aus jedem deiner Sätze spüren . Es ist eine wahre freude ,dein Engagement ,dein spass und deine lust mitzukriegen! Viele schöne tage noch …pfaffhfn oma



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